Die Geschichte von der Pfanne
Ort: Tiers
Unter dem Rosengarten wo Heute nur noch Geröllhalden sind gab es noch einen Hof wo sehr arme Leute mit ihren Ziegen hausten. Die Bäuerin hatte viele Kinder und dazu die Not im Haus. Es waren lauter Mädchen und die Älteste mit fünfzehn Jahren musste zu fremden Leuten in den Dienst gehen. Eines Tages hatten die Leute, denen das Mädchen als Recherin zugeteilt war, mehrere Stunden schwer gearbeitet, um eine steile Wiese abzuräumen; dann aber rasteten sie unter einer Lärche und verzehrten Brot und Käse. Plötzlich bemerkte die junge Recherin ein „ Mórkye“ (Zwerg) der ihnen von einer nahen Felswand zusah. Der wird wohl Hunger haben, dachte sie, und warf ihm ein Stückchen Käse zu. Der Zwerg erhaschte es und verschwand in eine Kluft. Als das Mädchen einige Tage später zur Abendstunde den Berg hinaufstieg, um Ihre Angehörigen zu besuchen; da winkte ihr ganz unvermutet der selbe Zwerg von einen Felsblock und zeigte hinter sich. Sie umging den Felsblock und stand vor einer riesigen Pfanne. „ Wie viele Kinder könnten da wohl baden“ fragte der Zwerg. Das Mädchen dachte nach und antwortete. „Sieben Kinder dürften wohl Platz haben wenn man sie im Kreis setzt.“ „erraten!“ bemerkte der Zwerg; dann fügte er hinzu: „Die Pfanne ist uns zu geräumig und zu schwer, aber du kannst sie brauchen, nimm sie und trag sie nach Hause, wenn du diese Mühe nicht scheust.“ Das Mädchen nickte freudig, schwang sich die Pfanne über den Rücken und schleppte sie fort. Ganz erschöpft kam sie heim und die Mutter war sehr erstaunt über die herrliche Pfanne, meinte aber, dass sie viel zu groß sei. Trotzdem benützten sie die Pfanne von nun an, und siehe da – so wenig sie auch hineintun mochten, die Pfanne wurde beim Kochen immer voll, und das Essen reichte stets für alle Leute. Das Mädchen erbte später den Hof, wurde reich und vergrößerte ihn. Sie bekam sechs Töchter und einen Sohn, und zog sie alle auf. Die Pfanne wurde weiterhin benutzt. Wenn aber zur Nachzeit an die Fensterläden leise geklopft wurde wusste die Bäuerin sofort bescheid. Am folgenden Tag kochte sie in der großen Pfanne Schweinefleisch und Kraut und stellte das fertige Gericht abends in die Dachkammer. An diesen Abend musste für die Hausleute in einer anderen Pfanne gekocht werden, da hieß es viel Zeug hineingeben, denn beim kochen wurde es nicht mehr, sondern weniger. In der Nacht kamen dann mehrere Zwerge und aßen alles auf. Sie hinterließen die Pfanne plitzblank gescheuert in der Kammer. Als die Bäuerin nach vielen Jahren gestorben war und die Zwerge wieder einmal klopften, sagte die Frau ihres Sohnes zu ihren Schwägerinnen:“ Ihr werdet doch jetzt unser Hab und Gut nicht mehr verschleudern?“ Den sechs Schwestern war das nicht recht denn sie wollten es weiterhin halten wie die Mutter. Sie getrauten sich aber nicht etwas zu erwidern. Die Zwerge fanden die Kammer leer und gingen ganz ruhig wieder in die Nacht hinaus. Nach einem Jahr kamen sie wieder. Doch diesmal hatte die Bäuerin zum Hohn die leere Pfanne hinaufgestellt. Die Zwerge trugen die Pfanne fort und meldeten sich nie wieder. Seitdem begannen die Leute auf dem Hofe abzuhausen, und jetzt ist von ihn längst keine Spur mehr zu sehen, denn dort, wo er lag schiebt sich die „Rote Lahn“ vom Rosengartengebirge herunter, und auf einer Lahn kann man nicht leben.
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